Sonntag, 4. November 2012

Engel und Menschen

Mechthilde Schönwerth, die Tochter des bekannten Volkskundlers F.X.Schönwerth, besaß seit Kindheit eine elitäre Gabe. Die intelligente, hochgebildete und lebenstüchtige Frau lebte neben ihren Alltagspflichten gleichzeitig in einer jenseitigen Welt. Sie sah fast ständig ihren Schutzengel und höherrangige Engelsgestalten. Diese Begabung ist im Christentum keine Seltenheit. Die katholische Kirche kennt viele Heilige / Selige, die diesen Umgang mit ihren Schutzengeln pflegten. Einige der prominentesten sind der Pfarrer von Ars, Pater Pio, Anna-Katharina Emmerick und Kreszentia von Kaufbeuren. In ihren Heiligsprechungsakten finden sich darüber hinaus noch viele weitere interessante Psi-Phänomene. Mechthild Schönwerth unterscheidet sich von diesen Heiligen dadurch, dass ihr die Engel weniger zu ihrer persönlichen Beratung und Tröstung, sondern zur Zuteilung caritativer Aufgaben gesandt wurden, zur Hilfe für Sünder, Sterbende und Verstorbene. Ein weiteres auffallendes Merkmal war, dass sie an wechselnden farblichen Äußerlichkeiten der Erscheinungen erkannte, ob ihr persönlich freudige Ereignisse oder Schicksalsschläge bevorstanden. - Der österreichische Theologieprofessor F.Holböck (1913-2002) war der Überzeugung, dass die Engel in ihrer reinen Geistnatur den Menschen an Verstandesschärfe und Willenskraft überlegen sind. Der göttliche Auftrag veranlasst sie aber, den Menschen bereitwillig zu helfen, sie zu erleuchten, ihnen beizustehen und zu dienen. Holböck fasst die Aufgaben der Engel in mehrere Bereiche zusammen : Sie wenden Gefahren und Übel des Leibes und der Seele ab; sie wehren böse Geister ab; sie flößen gute Gedanken ein; sie bringen die Gebete der Gläubigen vor Gott und beten für sie. Nach Meinung vieler Kirchenväter ist jedem einzelnen Menschen von Geburt an ein Engel zugeteilt. Je nach geistiger Reife und Aufgabenbereich des Betreffenden kann diesen Schutzengel noch ein weiterer Engel aus einer höheren Hierarchie unterstützen. Thomas von Aquin war zudem der Überzeugung, dass Gemeinden und Ländern, vor allem aber spirituell orientierten Gemeinschaften, Spezialisten aus den Engelshierarchien zugewiesen sind. - Der Schutzengel ist nicht nur der ständige Begleiter während des irdischen Lebens, er steht uns auch beim Sterben zur Seite und führt nach dem Tod unseren vom physischen Leib getrennten Geistleib in die jenseitigen Gefilde. Er ist während des göttlichen Gerichtes anwesend, das über unser weiteres Schicksal entscheidet und geleitet uns anschließend in die verschiedenen Abstufungen des Paradieses oder des Fegefeuers. Nur vor der Pforte eines einzigen Jenseitsortes, der Hölle, trennt er sich endgültig und unwiderruflich von uns. - Es hängt ganz vom einzelnen Menschen ab, in welchem Verhältnis er zu seinem Schutzgeist steht und ob es ihm gelingt, während des irdischen Lebens eine Freundschaft zu ihm aufzubauen. Es gibt vier Möglichkeiten der Entscheidung : die Bereitwilligkeit, die Gleichgültigkeit, die Unwissenheit und die Ablehnung. Leider dominiert in unserer Zeit eine gleichgültige Unwissenheit, die zur Ablehnung führt. Häufig fehlt es schon an der unerlässlichen Vorstufe einer Engelsbeziehung, an der Aufgeschlossenheit zu den Mitmenschen. Erst, wer sich aus der Verkapselung ins eigene Ich für eine hilfsbereite Zuwendung zu seinen Nächsten öffnet, ist reif zur höheren Oktave der Engelsfreundschaft.

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