Emil Mattiesen gibt im dritten Band seines Buches "Das persönliche Überleben des Todes" aufschlussreiche Jenseitsschilderungen, die er aus den Durchsagen Verstorbener an Medien zusammengestellt hat. - Das "Lichtland" besteht aus verschiedenen Sphären. Den Höherentwickelten werden die Seelen aus niederen Stufen zur Unterrichtung anvertraut. Fördern und Helfen gehören zu den wichtigsten Pflichten der Jenseitigen, vor allem gegenüber den durch die Fremdheit der ungewohnten Umgebung verwirrten Neulingen. In den unteren Sphären besteht noch längere Zeit eine schmerzlich getönte Rückschau auf die irdische Vergangenheit, ein trauriges Hängen an Beziehungen und Besitz. Erinnerungen an Krankheiten des einstigen Lebens erzeugen Schmerzen, vor allem, wenn sich die Seelen in spiritistischen Sitzungen wieder der Körperlichkeit annähern. Erst allmählich weicht dieses Heimweh dem Anfreunden mit der neuen Umgebung. Die Geister schildern ihre Heimat als lieblich, baum- und wiesenreich, sanft hügelig, stromdurchschlängelt, zuweilen von heroischem Gebirgscharakter. Alle Einzelheiten dieser Landschaft sind von allen Seiten gleichzeitig sichtbar, entfernte Gegenstände zeigen keine perspektivische Verkürzung. Die Sprache der anderen Seite ist eine telepathische Verständigung. Die Jenseitigen können uns Lebende sehen, doch anders, als wir uns erblicken. Das jenseitige Licht ist ein durchdringendes Element, das unsere innersten Gedanken erkennen lässt. Die Seelen wohnen in Häusern von mannigfaltiger Größe, Stilrichtung und Ausstattung. Diese türlosen Häuser besitzen mehr als vier Wände, die asymmetrisch zueinander stehen und den Resonanzboden der Seelenkräfte ihrer Bewohner bilden. In dieser Funktion verstärken sie deren Schwingungen, die dadurch bis zur Erde reichen. Viele Gebäude dienen der geistigen Weiterentwicklung, der religiösen, philosophischen und naturwissenschaftlichen Belehrung. Der Kontakt mit dem Diesseits ermöglicht es, das Tun der Irdischen zu erfühlen, sie zu belehren und ihnen zu helfen. Die Siedlungen sind von wechselnder Größe und bestehen aus Einöden, Dörfern bis hin zu turmbewehrten Städten. Landkreise verbinden sich zu weiträumigen Regionen, in denen sich Angehörige verschiedener Völker treffen, Seelenverwandtschaft führt sie zusammen. Der Lebensinhalt weicht von dem der Irdischen ab. Anstelle des Kampfes um Reichtum, Genuss und Macht tritt das Streben nach religiös-sittlicher Entwicklung. - Bei aller Deutlichkeit bleiben viele Fragen offen. Dieses Jenseits ist eine Fortsetzung des Diesseits unter erleichterten Bedingungen. Trotz der Hinweise auf Belehrung hilfsbedürftiger Seelen und der eigenen Vervollkommnung fehlt diesem Lichtland der tiefere Sinn. Es ist ein perfekt durchorganisierter Riesenstaat, jedoch unter anonymer Führung. Die verborgene Obrigkeit kann ein Konsortium hochrangiger Engel, eine nebulöse göttliche Herrschaft oder eine unpersönliche Allseele sein. Diese Unbestimmtheit macht es schwierig, Offenbarungen aus dieser Welt als verbindliche Lebensweisheiten anzunehmen.
Mittwoch, 30. Januar 2013
Mittwoch, 23. Januar 2013
Emil Mattiesen
Emil Mattiesen (1875-1939) gehörte schon zur zweiten Generation namhafter deutscher Spiritisten, er konnte auf ein reiches Schrifttum und umfangreiche internationale Dokumentationen zurückgreifen. Dennoch ging er eigene Wege. Er führte ein abenteuerliches Leben und war lange Zeit auf der Suche nach einem Beruf, der seine vielfältigen Begabungen bündelte und fand ihn schließlich in der Musik und der Schriftstellerei. Der Bürgermeistersohn aus Dorpat im Baltikum studierte Philosophie, Naturwissenschaften und Musik und promovierte in Leipzig zum Dr.phil. Das elterliche Vermögen und jede Art von Gelegenheitsarbeiten erlaubten ihm ausgedehnte Reisen sowie weitere Studien an den Universitäten von Cambridge und London. Er bereiste zuerst Asien (Sumatra, Java, Borneo, Kaschmir, Tibet und Japan), dann die USA. Seinen Sprachkenntnissen verdankte er es, dass er sich im jeweiligen Land tiefschürfend über dessen Religionen und Rituale informieren konnte. Nach seiner Heimkehr heiratete er 1918 in Berlin und wandte sich nun hauptberuflich der Musik zu. Sein unruhiger Geist hielt es nicht lange in Berlin aus, er zog in die Nähe von München, um in der bayrischen Metropole für seine Kompositionen zu werben und nach Spuren der einstigen Hochblüte der Parapsychologie zu suchen. Sichtlich enttäuscht von der dortigen Interesselosigkeit und Verödung kehrte er mit seiner Frau in den Norden zurück und ließ sich im idyllischen Gehlsdorf bei Rostock nieder. Hier berief ihn 1929 die theologische Fakultät der Universität Rostock zum Dozenten für Kirchenmusik. Seine Freizeit widmete er der Parapsychologie, er verfasste zahlreiche Fachartikel für spiritistische Blätter und vor allem die beiden umfangreichen Fundamentalwerke "Der jenseitige Mensch" und "Das persönliche Überleben des Todes". Kurz nach Vollendung seines zweiten Werkes verstarb er 1939 an Leukämie. - Sein Hauptthema war die Frage, wie der Mensch durch mystische Erfahrung zu einer Erkenntnis Gottes und zu einem Verständnis des göttlichen Willens kommen könne. Christentum, Buddhismus, Hinduismus, Islam und die zahlreichen Naturreligionen bieten sehr unterschiedliche Annäherungen an die religiöse Wahrheit. Zu dieser Vielfalt von Stimmen kommt noch der moderne Skeptizismus hinzu, den Glauben durch Psychologie und Naturwissenschaft seiner Transzendenz zu berauben. Mattiesen sah deshalb im Spiritismus einen wichtigen Weg, mit Hilfe der Medien die göttliche Wahrheit zu entschlüsseln. Er kannte genau die christliche Mystik, die alttestamentlichen Propheten, die Thora und den Koran, bezweifelte aber, dass nur die Glaubensartikel der mächtigen Religionsgemeinschaften verbindlich seien. Er war auch von der Aussagekraft medialer Offenbarungen überzeugt. Hier wagte er sich allerdings auf sehr dünnes Eis. Schon ein oberflächlicher Vergleich der Texte christlicher Mystiker mit den regelmäßigen Kundgaben hoher Geistwesen an spiritistische Logen zeigt stilistisch und substanziell gravierende Unterschiede.
Freitag, 18. Januar 2013
Carl du Prel
Freiherr Carl du Prel (1839 - 1899) widmete sich nach einer Karriere bei der bayrischen Armee als freier Schriftsteller breitgefächerten naturwissenschaftlichen, astronomischen und psychologischen Themen. Die Ehe mit einer vermögenden Witwe und seine Offizierspension sicherten ihm finanzielle Unabhängigkeit. Sein geistiger Ziehvater war Eduard von Hartmann, dessen "Philosophie des Unbewussten" seine eigene Weltanschauung prägte. Durch Hartmann wurde er mit zwei namhaften Spiritisten bekannt, dem Astronomen Zöllner und dem Philosophen Hellenbach. Carl du Prels Heimatstadt München war damals eine Hochburg des Spiritismus. Das verwundert bei einer derart katholisch geprägten Stadt, in der es allerdings starke antiklerikale Strömungen mit einem aufklärerischen Freidenkertum gab. Das waren auch die Voraussetzungen der Münchner spiritistischen Gesellschaft unter dem Deckmantel "psychologische Forschung". Dieser elitäre Kreis setzte sich aus Ärzten, Biologen und Physikern zusammen, auch namhafte Maler, Schriftsteller und Dichter waren gerngesehene Zaungäste der Seancen. Man leistete sich hervorragende, international berühmte Medien, die man mit deutscher Gründlichkeit außergewöhnlich strengen Kontrollen unterwarf. Prel glaubte als einer der Wenigen an ein Weiterleben im Jenseits und an einen persönlichen Gott. Er galt als Außenseiter, der auch die Bezeichnung "Spiritismus" ablehnte und sie durch die verwaschenen Begriffe "Okkultismus", "Magie" oder "Transzendenz" ersetzte. Prel kam von den Naturwissenschaften her, verstand aber seine Studien als antimechanistische Beiträge. Sein anthropologischer Ansatz war die Hypothese einer doppelten humanen Existenz, wonach der Mensch außer seinem irdischen Leib noch einen zweiten inneren Körper besitzt, den "Astralleib". Dieser entspricht in seiner Form völlig dem physischen Körper, ist jedoch von feinstofflicher Beschaffenheit. Durch diesen Astralleib (Seele) ist jeder Mensch Bürger zweier Welten, der sinnfällig diesseitigen und einer jenseitigen Welt, die außerhalb normaler menschlicher Wahrnehmungsfähigkeit liegt. Im Diesseits ist der Mensch ganz irdischer Mensch, zugleich aber auch schon zu Lebzeiten ein jenseitiges Subjekt. Die spiritistischen Phänomene bewiesen ihm, dass die Seele außerhalb des physischen Leibes existieren kann, dass sie ein Eigenleben besitzt und über spezielle Sinne verfügt. Prels wissenschaftliches Ziel war, das Geheimnis Mensch zu enträtseln, die Naturwissenschaft aus den Irrlehren des Materialismus zu befreien und lückenlos alle okkulten Eigenschaften der Seele, Telepathie, Telekinese, Levitation, Bilokation und Materialisation nachzuweisen. Dass er eine Präexistenz der Seele schon vor der Geburt annahm, war ein Relikt seiner theosophischen Vergangenheit. Mit seiner grundlegenden Ansicht, dass der Tod weniger eine Entseelung des Körpers, sondern eine Entleiblichung der Seele darstellt, lag er sicher richtig, denn er räumt der Seele einen Vorrang gegenüber dem physischen Leib ein. Seiner Ansicht nach ist der Leib nur der Diener der Seele, er ist vergänglich, die Seele aber ist unsterblich.
Montag, 14. Januar 2013
Allan Kardec
Obwohl der Spiritismus heute in Großbritannien, den USA und in Brasilien am verbreitetsten ist, liegen seine wissenschaftlichen und philosophischen Wurzeln in Frankreich und Deutschland. Der wichtigste Mann auf diesem Gebiet ist der Franzose Allan Kardec. Er hat ein spiritistisches Weltbild erstellt, das keine Nuance vernachlässigt. Der Deutsche Carl du Prel war Vertreter einer okkult-physikalischen Forschung. Die gründlichste Dokumentation spiritistischer Phänomene und die scharfsinnigste Auseinandersetzung mit dem "Animismus" lieferte der Deutsch-Balte Emil Mattiesen in seinem Werk "Das persönliche Überleben des Todes". - Allan Kardec (1804-1869) führte zwei Leben. Bis zu seinem fünfzigsten Lebensjahr war er Professor H.L.D. Rivail, ein Meisterschüler und Mitarbeiter des berühmten Pestalozzi, universell gebildet, ein erfolgreicher Pädagoge, der gemeinsam mit seiner Frau mehrere Lehrinstitute führte und didaktische Fachbücher verfasste. Er ließ sich dabei von den Grundsätzen Pestalozzis leiten, intellektuelle und moralische Bildung allen Volksschichten zu vermitteln, immer der eigenen Beobachtungsfähigkeit zu vertrauen und nicht vorgefertigte Lehrmeinungen kritiklos nachzuplappern. Rivail beherrschte mehrere Fremdsprachen und übersetzte englische und deutsche Fachliteratur ins Französische. In den letzten fünfzehn Jahren seines Lebens mutierte er zu Allan Kardec. Eine flüchtige Erfahrung mit Tischrück-Phänomenen hatte sein Interesse für den damals noch jungen europäischen Spiritismus geweckt. Er schloss sich in Paris einem spiritistischen Zirkel an, sichtete dessen umfangreiche nordamerikanische Sammlung von Protokollen und begann mit einem Medium selber einschlägige Experimente. Seinen neuen Namen verdankte er einer medialen Botschaft, wonach er die Reinkarnation eines Druiden namens Allan Kardec sei. Für Rivail veränderte sich mit dem Jenseitskontakt sein ganzes Leben, es eröffnete sich ihm ein gewaltiger Kosmos, die Welt des Geistes und der Geister. Alles, was berühmte Wissenschaftler, Philosophen, Religionsstifter, Könige, Revolutionäre, Dichter und das große Heer der namenlosen Weltbeweger je gedacht hatten, stand ihm durch den Kontakt mit "höheren Geistern" auf Abruf zur Verfügung. Er musste nur aus der unerschöpflichen Fülle von Botschaften Markantes herausfiltern und mit Hilfe der Medien Auskünfte über alle nur möglichen Lebensfragen von der Genesis über die Bedeutung Christi, das Funktionieren der Wiederverkörperung bis zum Leben auf anderen Planeten einholen. Die Frucht seiner Bemühungen legte er in fünf Werken nieder, von denen das "Buch der Geister" als spiritistische Bibel gilt. Der "Kardecianismus" ist die konsequenteste Umsetzung jenseitiger Offenbarungen in eine Weltanschauung. Kardec starb mit fünfundsechzig Jahren. Der Ausbau seiner Lehre zu einer Lebensphilosophie und Religionsgemeinschaft erfolgte erst durch seine Anhänger.
Mittwoch, 9. Januar 2013
Der Spiritismus
Bei aller gebotenen Vorsicht ist der Spiritismus eine wichtige Quelle der Jenseitskunde. Skepsis ist dennoch nötig, denn wie bei allen Sparten des Okkultismus gibt es auch bei ihm viele schwarze Schafe und Scharlatane. Seine Phänomene setzen Medien voraus, Frauen und Männer mit paranormalen Fähigkeiten. Ein Medium kann sich in Trance versetzen und öffnet sich in diesem entrückten Bewusstseinszustand den Seelen Verstorbener, die dann aus ihm sprechen. Als der europäische Spiritismus ab Mitte des neunzehnten bis zum ersten Drittel des zwanzigsten Jahrhunderts seine Hochblüte erlebte, gab es eine große Anzahl berühmter Medien, die sich für teilweise beträchtliche Honorare spiritistischen Zirkeln zu wissenschaftlichen Versuchen zur Verfügung stellten. Pausenlose und kräftezehrende Experimente führten häufig zu einer Erschöpfung der medialen Fähigkeiten. Um aber weiterhin für ihre Auftraggeber interessant zu bleiben, flüchteten sich auch hochbegabte Medien in Mogeleien, die dann unvermeidlich aufflogen.- Worin sich alle Schulen des Spiritismus einig sind, ist die Ablehnung der konventionellen christlichen Kirchen. Ein Grund liegt sicher darin, dass sie von Anfang an von den Kirchen heftig bekämpft wurden. Hauptsächlich aber geht es darum, dass sich die spiritistischen Strömungen entsprechend den Kundgaben der Geister selbst Parallelkirchen mit eigenwilligen Schöpfungsgeschichten und einer sehr freien Auslegung der Botschaft Christi geschaffen haben. - Für den Spiritismus besteht ein fließender Übergang vom Diesseits zum Jenseits. Die Seelen Verstorbener können noch lange Zeit in der Erdsphäre verweilen. Auch dann, wenn sie sich in höhere Sphären emporgehoben haben, ist es ihnen möglich, wieder zeitweise in die diesseitige Welt zurückzukehren. Der Spiritismus ist sogar davon überzeugt, dass vom Jenseits aus ein dringendes Bedürfnis besteht, sich durch Medien den Lebenden mitzuteilen, sie über jenseitige Zustände zu informieren und trauernde Hinterbliebene zu trösten. Die Gründe der Diesseitigen, die Seelen Verstorbener zu beschwören und zu befragen, haben vielfältige Ursachen : Neugierde, wissenschaftliches Interesse an der Identifikation der Geistwesen, an ihren physikalischen Kräften und telekinetischen Fähigkeiten, die Möglichkeit der Materialisation nahestehender Verstorbener und das Verlangen nach Beratung in allen möglichen irdischen Angelegenheiten. Die Antworten auf diese Fragen erfolgen durch den Mund des Mediums oder durch "automatische Schrift" = ein Geist bedient sich der Hand des Mediums und schreibt ohne dessen bewusste Mithilfe über angefragte Sachgebiete, gegebenenfalls auch in einer Fremdsprache, die dem Medium unbekannt ist. Der Spiritismus geht von der Annahme aus, dass die Seele nach der Trennung vom Leib Kräfte und Wissen erlangt, die sie u.a. zu prophetischen Voraussagen, zur Heilung Kranker und zu spirituellen Offenbarungen einsetzen kann. In diesem oft blinden Vertrauen auf eine sich anbiedernde jenseitige Führung und Hilfsbereitschaft liegen Gefahr und Fragwürdigkeit des Spiritismus.
Mittwoch, 2. Januar 2013
Das Erwachen der Seele
Das Ablösen des feinstofflichen Energiekörpers vom physischen Leib beim Sterben vergleicht Beat Imhof mit einem Geburtsvorgang, der sich von einigen Minuten bis zu einigen Stunden hinziehen kann. Auch bei dieser Geburt gibt es eine Abnabelung. Während des ganzen Lebens verbindet eine unsichtbare "Silberschnur" den materiellen Leib mit dem astralen Energiekörper (Seele). Verlässt die Seele während des Schlafes, bei Astralreisen oder bei Nahtodzuständen zeitweise den Körper, ist sie durch diese stabile Schnur weiterhin mit ihm verbunden. Der Tod zerreißt sie, damit trennt sich die Seele endgültig von ihrer Leibhülle. Für das Sichtbarwerden dieser normalerweise unsichtbaren feinstofflichen Vorgänge sind wir auf das Zeugnis sensitiver Menschen angewiesen, denen diese seltene visionäre Gabe in die Wiege gelegt wurde. Sie schildern, dass sich aus dem Sonnengeflecht des sterbenden Körpers ein nebliges Gebilde löst, das allmählich die Gestalt einer leuchtenden menschlichen Gestalt annimmt. Der Sterbende selbst erlebt diese letzte Phase des Lebensausklangs in Entrücktheit, seinem Bewusstsein sind die Schmerzen der Krankheit und die Trauer einer endgültigen Trennung entglitten. Er wird in ein neues Leben hineingeboren, das sich in einem Geistleib mit Jenseitsorganen und Jenseitssinnen vollzieht, an deren Andersartigkeit er sich erst gewöhnen muss. - Während der Zeit des Loslösens und der Bewusstlosigkeit der irdischen Sinne zieht vor seinen Seelenaugen sein ganzes Leben wie ein Panorama an ihm vorüber, das mit der Gegenwart beginnt und mit der Kindheit endet. Alles, was sich im Leben ereignete, tritt noch einmal im Eildurchlauf ins Bewusstsein. Der Sterbende erkennt, wo er verhängnisvolle Fehlentscheidungen getroffen hat, wo er sich vom äußeren Glanz blenden ließ und dadurch eine Berufung versäumte, wie er seine wahren Talente missachtete und unsinnigem Zeitvertreib nachjagte. Es rücken ihm Situationen in die Erinnerung, die er wegen ihrer Peinlichkeit schon längst ins Unterbewusstsein verdrängte, die aber nun in ungeschminkter Deutlichkeit emporsteigen. - Nach der letzten Phase des Todes schwebt der Geistleib eine Zeitlang über der Leiche, erwacht aus einer schlafähnlichen Benommenheit, richtet sich auf und wird sich seiner neuen Körperlichkeit bewusst. Es hängt vom spirituellen Entwicklungszustand ab, wie der Verstorbene die Ankunft im Jenseits erlebt. War er zeitlebens nur irdisch orientiert, wird sich seine Seele schwer aus der Erdsphäre lösen können. Er nimmt seine Umgebung und seine Angehörigen wahr, aber alles ist wie in einer Albtraumwelt verändert. Er hat höhere Sinne und Fähigkeiten erlangt, kann durch Wände gehen, sich an andere Orte versetzen. Trotzdem hat er seine Leiblichkeit verloren und kann sich den Lebenden nicht verständlich machen. Sie sehen ihn nicht und nehmen keine Notiz von ihm. Er bleibt vorerst noch im gewohnten Milieu, doch er sieht es mit anderen Augen. Er kann die Gedanken der anwesenden Verwandten und Bekannten lesen und intuitiv ihre unverhüllten Charakterzüge erkennen. Er wird sich aber auch mit Schrecken seiner eigenen Unzulänglichkeit bewusst. - Es ist nicht so, dass der Tod dem Törichten Weisheit, dem Engstirnigen prophetische Schau und dem Gottlosen vertrauensvollen Glauben schenkt. Das Diesseits wäre der Ort für die Erringung der Jenseitsmitgift gewesen, der Flügel für den Flug aus der irdischen Sphäre, der Beherrschung der Engelssprache und eines ordentlichen Gewandes, um der künftigen vornehmen Gemeinschaft würdig zu sein. Hat er im Leben seine Lektion nicht gelernt, muss er den mühsamen Prozess des Studiums und der Einübung in der Ewigkeit nachholen. Er wird dazu geduldige Lehrer und liebevolle Begleiter brauchen. Für diesen Weg muss ihn aber vor allem der Wunsch beseelen, ein herrliches Ziel im Jenseits zu erreichen, das er im Leben nie angestrebt hat, den Ort der Erquickung, die Seligkeit der Ruhe und die Klarheit des ewigen Lichtes.
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