1, Standortbestimmung
2, Beunruhigende Tatsachen
3, "Entmythologisierung"
4, Die Sichtweise der Magie
5, Theosophie gestern und heute
6, Seelenwanderung?
7, Die Weisheit vom Menschen
8, Das Christusbild der Anthroposophen
9, Luzifer und Ahriman
10, Die Seele
11, Die Fähigkeiten des Seelenleibes
12, Mensch und Tier
13, Tierseele
14, Die Engel
15, Engel und Menschen
16, Nahtoderfahrungen (NTE)
17, Todesnähe und Tod
18, Die Abrechnung
19, Der Himmel
20, Das Gericht
21, Das Fegefeuer
22, Die Hölle
23, Der Abschied
24, Das Erwachen der Seele
25, Der Spiritismus
26, Allan Kardec
27, Carl du Prel
28, Emil Mattiesen
29, Das spiritistische Jenseits
30, Spuk
31, Animismus
32, Außerkörperliche Erfahrungen
33, Astralreisen
34, Sylvan Muldoon
35, Jung-Stillings Geisterreich
36, Hanon
37, Pelon
38, Zalmon
39, Ilai
40, Delaja
41, Hasmon
42, Zareda
43, Huel
44, Merah
45, Ausblick
Samstag, 25. Mai 2013
Sonntag, 19. Mai 2013
Ausblick
Die beiden letzten Jahrhunderte haben sich ernsthaft mit der Jenseitsforschung befasst. Im Gegensatz dazu zeigt die Gegenwart einen eher spielerischen, spaßigen Umgang mit dem Leben nach dem Tod und dem Kontakt der Lebenden mit den Verstorbenen. Zwar besteht ein großes Interesse an diesem Thema, das zeigt ein Blick auf die Titel von Sachbüchern, Romanen, Kino- und Fernsehfilmen. Doch der Durchschnittsbürger nimmt okkulte Probleme nicht so ernst wie sie es verdienen, eher benützt er sie wegen ihrer meist gruseligen Verbrämung als Nervenkitzel. Wie sich die reale Welt immer mehr in eine virtuelle verwandelt, rückt auch die Option für eine Nachtod-Existenz in immer unwirklichere Fernen, so dass wir uns das Jenseits nur mehr als ein Wolkenkuckucksheim vorstellen können. Auch die Definition von "Wissen und Weisheit" hat sich grundlegend verändert. Das heutige Bildungsideal gleicht eher einer Collage aus einer Vielzahl von Oberflächlichkeiten als einem sinnvoll konstruierten Gebäude auf solider Basis. Wir schleppen ständig einen riesigen Ballast an Informationen mit uns herum, den uns Kommentatoren, Volksredner, Sektenprediger und Vulgärpsychologen aufdrängen. Diesen zähen Brei halten wir für unser universelles Wissensgut und gestalten danach unser Glaubensbekenntnis. Wir vergessen, dass wir freie, vernunftbegabte Menschen sind, die in der Lage sein sollten, aus einer bunt zusammengewürfelten Fülle sinnvoll auszuwählen, anzunehmen oder abzulehnen. - Es gibt drei große Hindernisse eines geistigen Fortschritts : Vorurteile, bornierten Konservatismus und Ignoranz. Ewig-Gestrige, Menschen mit Scheuklappen und die Nachplapperer fragwürdiger Gurus schrecken davor zurück, die Fenster in einen neuen Morgen zu öffnen und die wahren Zeichen der Zeit zu deuten. Ignoranten geben sich mit dem allgegenwärtigen Schwachsinn zufrieden und tragen kein Verlangen danach, durch spirituelle Erkenntnisse in die ethische Pflicht genommen zu werden. Solange nur wenige bereit sind, ausgetretene Pfade zu verlassen und gutgerüstet in das geheimnisvolle Land hinter dem Horizont aufzubrechen, wird die Mehrheit sich weiterhin in einem Hamsterrad abstrampeln und davon träumen, bald ans Ziel zu kommen. - Vielleicht ist es falsch, das menschliche Leben als eine Kurve zu sehen, die mit Null beginnt, im Alter von vierzig Jahren ihren Scheitelpunkt erreicht und dann bis zum Tod wieder nach Null abfällt. Wir sollten eher realisieren, dass diese Kurve erst im Tod ihren Höhepunkt findet und nie mehr auf Null abfällt. Im ersten Fall rechnen wir gar nicht mit der Möglichkeit, Verdienste für das Jenseits zu erwerben, im zweiten Fall können wir selbst in der letzten Phase des Daseins noch eine Ernte für unsere nach dem Tod weiterexistierende Seele einbringen. - Der Sinn des Lebens lässt sich in vier Fragen ausdrücken : "Wohin gehen wir?", "Woher kommen wir?", "Wer ist über uns?" und "Wer ist unter uns?" Am wichtigsten ist vorerst : "Wohin gehen wir?" Eine befriedigende Antwort darauf ist der ausschlaggebende Ansatzpunkt für die Lösung der drei anderen Fragen.
Samstag, 11. Mai 2013
Merah
Der Journalist Merah beging mit knapp fünfzig Jahren Selbstmord. Seine Umgebung war darüber schockiert, denn nichts deutete auf Depression oder Lebensüberdruss hin. Auch eine Fehlspekulation mit finanziellen Einbußen war bei seinem Einkommen nicht existenzgefährdend. - Merah wuchs in einer intakten, protestantisch frommen Bürgerfamilie auf, seine Begabungen wurden von den Eltern großzügig gefördert. Er durchlief ohne Schwierigkeit das Gymnasium, nach Ableisten der Wehrpflicht entschied er sich für ein Theologiestudium. Auch seine Jugendliebe bestärkte ihn in diesem Entschluss, sie konnte sich eine Zukunft als Pastorengattin gut vorstellen. Schon nach wenigen Semestern entdeckte aber Merah, dass er die falsche Wahl getroffen hatte. Er war bei den Germanisten häufiger anzutreffen als bei den Theologen. Auch schloss er sich einer freigeistigen Verbindung an, unter derem Einfluss die Grundsätze seines christlichen Elternhauses schnell zu bröckeln begannen. In vollen Zügen genoss er nun das lockere Studentenleben, so dass ein akademischer Abschluss in weite Ferne rückte. Er wollte neuerdings Schriftsteller werden, da er schon von Jugend an mit Leidenschaft Gedichte, Novellen und Theaterstücke in allerdings sehr ungelenker Form verfasste. Den Weg zum Ruhm hoffte er über den Journalismus zu finden, so wechselte er die Fakultät und arbeitete während der Neuorientierung als Volontär bei verschiedenen Blättern. Als ihm die Redaktion eines Boulevardmagazins eine feste Stelle anbot, griff er beherzt zu. Er krempelte sein bisheriges Leben um, hängte das Studium an den Nagel, beendete brieflich das Verhältnis zur Jugendliebe und zog aus seiner primitiven Bude in ein nettes Appartement um. Das Blatt, das ihn beschäftigte, hatte ein hochgestochenes Programm. Außer dem üblichen Klatsch schmückte es sich mit den Ansprüchen der ungeschminkten Offenlegung empörender Mißstände der reichen Oberschicht. Nichts kommt bei den Lesern besser an als eine entrüstete Bloßstellung bekannter Personen aus Politik, Religion, Kunst, Wirtschaft und Wissenschaft. Prominente haben eine Vorbildfunktion, die weitgehend unmoralische Öffentlichkeit erwartet von ihnen makellose Perfektion. Kann man ihnen Rechtsbruch oder eine schäbige Gesinnung unterstellen, beschäftigen sie monatelang die Medien. Merah war in seiner Redaktion der Mann fürs Grobe und in seiner heimtückischen Biederkeit wie geschaffen für journalistische Treibjagden. Das Spiel lief immer gleich ab. Hatten die Schnüffler die Schwächen einer bekannten Persönlichkeit ausspioniert, fütterte Merah die Leser mit immer neuen enthüllenden Details, um die Auflage seines Blattes zu steigern. Dabei war einkalkuliert, den Gejagten der Verachtung, Lächerlichkeit und gesellschaftlichen Ausgrenzung auszuliefern. - Bei dieser aufreibenden Tätigkeit, aufgeputscht durch ein Übermaß von Kaffee und Zigaretten, blieb für das Privatleben wenig Zeit. Es waren dann erst anhaltende Kopfschmerzen, die Merah zwangen, eine Pause einzulegen und einen Arzt aufzusuchen. Die Tomographie ergab einen Gehirntumor im Anfangsstadium, günstig gelegen und operabel. Merah lebte mit dieser Diagnose einige Tage wie in einem bösen Traum, dann schrieb er noch ein paar Zeilen an seine derzeitige Freundin und jagte sich eine Kugel in den Kopf. - Als die Seele Merahs aus dem Schlaf erwachte, erschrak sie, als sie am Schreibtisch ihren toten Leib mit dem blutüberströmten Gesicht erblickte. Dann wechselte plötzlich die Szene. Merah stand am Friedhof vor einem offenen Grab. Viele Trauergäste hatten sich hier eingefunden, einige festlich gekleidete Herren legten Kränze nieder und hielten Lobreden auf den im hohen Alter Verblichenen, einen allseits geachteten Schriftsteller, der für Notleidende viele Hilfsprojekte initiiert und durch flammende Artikelserien tatkräftig unterstützt hatte. Ein schwarzgewandeter Engel nahte sich Merah und bedeutete ihm, dass dies sein von Gott bestimmtes Schicksal und Ende hätte sein sollen. Dann wechselte das Bild. Fünf riesige zerlumpte Leibwächter mit Totenköpfen statt menschlicher Antlitze umringten schweigend den schreckgelähmten Merah. Auf ihren Stirnen standen die Namen „Verleumdung", „Verachtung", „Anmaßung", „Rufmord" und „Verrat". Im einstigen Leben waren sie Merahs unsichtbare Helfer, täglich beschworen als Ratgeber und Einflüsterer. Sie werden im Jenseits seine Kumpane bleiben, solange er noch im Dunstkreis der Erde ausharren muss. Erst wenn er durch seine Läuterung die innige Anhänglichkeit an diese Schmarotzer überwindet, kann ihn sein schwarzgewandeter Engel ins Schattenreich emporführen.
Samstag, 4. Mai 2013
Huel
Herr Regierungsdirektor Huel litt in den ersten Jahren im Schattenreich unter größten Anpassungsschwierigkeiten. Alle übrigen Bewohner mieden seine Nähe und gaben ihm keine Möglichkeit, mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Er erlebte immer wieder, dass andere Seelen von Engeln abgeholt und ins Lichtland überführt wurden. Näherte er selbst sich dieser Startrampe, wehte ihm ein eisiger Wind ins Gesicht und trieb ihn zurück. - Huel stand in seinem irdischen Leben als wichtige öffentliche Person immer im Mittelpunkt. Er war es gewohnt, von devoten Untergebenen umschmeichelt zu werden, denn sein Wohlwollen konnte karriereförderlich und sein Missfallen vernichtend sein. Er fühlte sich lebenslang am rechten Platz in dieser Atmosphäre von Hofschranzen, Willfährigen, Kniefälligen und Angstgepeinigten. Auch im Kreis seiner Familie führte er in allen Angelegenheiten das Kommando. Seine ältere Tochter verheiratete er mit einem Brauereibesitzer, für die jüngere fand er einen erfolgreichen Facharzt, der Sohn studierte Rechtswissenschaft, um sich für die höhere Beamtenlaufbahn zu qualifizieren. Huel lebte in einer Zeit, in der es opportun war, bei jeder Gelegenheit religiöse Gleichgültigkeit zu betonen und mit zynischen Seitenhieben auf Kirche und Priester nicht zu sparen. Bei Gesprächen mit seinem Minister fielen immer wieder dümmliche Witze über diejenigen Kabinettsmitglieder, die sich in ihren Entscheidungen von christlichen Wertvorstellungen leiten ließen. Huel genoss in seinem Ruhestand noch zehn Jahre eine ansehnliche Pension und starb dann an einem heftigen aber kurzen Leiden. - In der jenseitigen Welt gibt es keine dauernde Isolation. Es ist Aufgabe der Engel, den schuldbeladenen Seelen dann beizustehen, wenn sie die schweigende Einsamkeit ihrer Selbsterkenntnis nicht mehr ertragen. Der Engel Hillel näherte sich Huel und erklärte ihm als Ursache seiner Absonderung seine einstige stolze Selbstgefälligkeit. Er stellte ihm den großen Unterschied zwischen der irdischen und himmlischen Hierarchie vor Augen. In der weltlichen Ordnung gibt es Vorgesetzte und Untergebene, Herren und Knechte. Der Ranghöhere nützt ohne Scham seine Macht auf den Rangniederen aus, er beherrscht und unterdrückt ihn. Durch diese eigensüchtige Einstellung setzt sich auf Erden die ganze Gesellschaft aus zwei Blöcken zusammen, einer reichen, privilegierten Oberschicht und einer ärmlichen Unterschicht, die wehrlos der Oberschicht und ihren willkürlichen Gesetzen ausgeliefert ist. Im Gegensatz dazu lautet das Schlüsselwort für die himmlische Hierarchie "Demut". Alle Werte kehren sich um. Es herrscht nicht mehr die Tyrannei über die Ohnmacht. Der Fürst dient in liebevoller Zuwendung seinen Untergebenen, der Kluge belehrt ohne Anmaßung die Unwissenden und der Reiche teilt seinen Überfluss freigiebig mit dem Hungernden. Diese gottgewollte Ordnung sollte aber schon im irdischen Alltag als Einübung in die ewige Herrlichkeit praktiziert werden und nicht nur eine christliche Utopie bleiben. - Die Schuld Huels war grenzenlose Selbstsucht, verächtliches Hinwegsetzen über den freien Willen seiner Mitmenschen und unersättliche Gier nach ruhmvoller Anerkennung. Erst nach einer tiefgreifenden innerlichen Umwandlung zu Demut, Bescheidenheit, Mitgefühl und Mitleid wird sich ihm das Lichtreich öffnen. Nun können ihm die Seelen zur Belehrung anvertraut werden, die wie er auf Erden ausschließlich dem Götzen Hochmut verfallen waren.
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