Sonntag, 28. Oktober 2012
Die Engel
Ein wichtiger Schwerpunkt esoterischer Literatur liegt in der Hochschätzung der Engel. Die Autoren verstehen darunter freundlich gesinnte unsichtbare Wesen, Natur- und Schutzgeister, deren Sympathie und Hilfe man durch meditative Versenkung und Rezitieren von Mantras erwerben kann. Auch christliche Schriftsteller schließen sich diesem Trend an und nähern sich mit Erkenntnissen der Tiefenpsychologie diesem Thema. Die Entmythologisierung der Theologie hat auch vor den Engeln nicht Halt gemacht und sie als Phantasiegebilde enttarnt. Populärreligiöse Lebenshilfebücher sehen in ihnen keine personalen Wesen mehr, sondern Ausstülpungen des Unterbewusstseins, die aber trotz ihrer Fiktivität für die Seelenhygiene nützlich sind. Ein Großteil der europäischen Gesellschaft trennt sich auf diese Weise langsam und unwiderruflich von einem ernsthaften Glauben an eine jenseitige Welt und von einer Verantwortung gegenüber einer himmlischen Hierarchie. Biblischer Schöpfungsbericht und Privatoffenbarungen zeigen jedoch einen ganz anderen Blickwinkel.- Aus den Visionen der Hildegard von Bingen lässt sich schließen, dass Gott die Schöpfung mit der Erschaffung von zehn gewaltigen Engels-Chören begonnen hat, um mit ihrer Hilfe das Weltall zu regieren. Einer der zehn Chöre unter Luzifer rebellierte gegen Gott und wandte sich in Hochmut und Ungehorsam von ihm ab. Der Herr entmachtete den abtrünnigen Erzengel und seine Trabanten, verstieß sie aus dem Himmel und stürzte sie in die lichtlose Tiefe. Die verbliebenen neun Chöre haben im Weltgeschehen wichtige Aufträge zu erfüllen und stellen den Kontakt zwischen Gott und dem Kosmos her. Sie sind Gottes Hofstaat, die innigsten Vertrauten seiner Entscheidungen und sein verlängerter Arm. Die "Seraphim" betrachtet man als die Engel des Lichtes und der Liebe, sie umschweben Gottes Thron. Die "Cherubim" reflektieren Gottes Wissen und Weisheit, sie bewachen die Tore des Paradieses. Die "Throne" repräsentieren Lebensenergie und Machtbefugnis über den Kosmos. Die "Herrschaften" sind die Symbole der Pflichterfüllung und übermitteln die Beweise göttlicher Gnade der Erde. Der Lauf der Gestirne und alle Naturgesetze, Mathematik, Astronomie und Physik, unterliegen der Verantwortung der "Mächte". Sie besitzen auch die Freiheit, Naturgesetze außer Kraft zu setzen und Wunder zu ermöglichen. Die "Gewalten" beschützen den Himmel vor allen negativen Einflüssen der irdischen Sphäre und vor gehässigen Angriffen der gefallenen Engel. Die "Fürstentümer" wachen über die irdischen Regenten, Völker und Gemeinschaften, sie symbolisieren Recht und Gerechtigkeit. Die "Erzengel" verkünden den Menschen durch Propheten und Visionäre göttliche Botschaften. Die "Engel" stehen den Menschen am nächsten. Sie dürfen zwar menschliches Schicksal nicht beeinflussen, doch können sie raten und helfen. - Engel treten zwar oft als Stellvertreter Gottes auf, doch sind sie kein Ersatz für Gott und machen ihn auch nicht überflüssig. In seinen Händen liegt für immer die Oberherrschaft. Die Engel sind dienende Geschöpfe, denen gegenüber keine anbetende Verehrung, sondern nur Hochschätzung und Dankbarkeit angebracht ist. Der Umstand, dass jeder Mensch, jede Nation, jedes Land, jede Stadt, jede Gemeinschaft den Engeln anvertraut ist, bedeutet keine Bevormundung. Die menschliche Willensfreiheit wird durch sie nicht angetastet, Engel kommen nur, wenn ihr Beistand erwünscht ist. Der Himmel drängt sich nie auf. Es steht den Menschen in jeder Situation frei, sich auf ihren eigenen Verstand, ihre körperliche Kraft und die Beurteilung ihrer Zukunftsperspektiven zu verlassen oder sich jenseitige Unterstützung für die Erkenntnis ihres Lebenssinnes und ihrer endgültigen Ziele zu erbitten.
Samstag, 20. Oktober 2012
Tierseele
Nach dem Schöpfungsbericht formte Gott Mensch und Tier aus Ackererde. Das lässt in übertragener Bedeutung darauf schließen, dass sich der Schöpfer bei der Gestaltung der beiden physischen Körper eines gleichen oder ähnlichen Bauplans bediente. Außerdem verlieh er beiden die Lebens-, Bewegungs- und Empfindungsfähigkeit (Vitalkraft). Im Gegensatz zum Tier hat aber Gott dem Menschen als besondere Bevorzugung seinen göttlichen Geist eingehaucht. Das Tier besitzt deshalb nur einen physischen Körper und die Vitalkraft (Seele), der Mensch jedoch Körper, Seele und Geist. Die ewige Streitfrage, ob Tiere eine Seele besitzen, kann man also eindeutig mit Ja beantworten, diese Seele ist allerdings sterblich. Was beim Menschen für ewig überlebt, ist der gotteingehauchte Geist. - Der Seelenleib, den Mensch und Tier gemeinsam besitzen, dient den Tieren noch mehr als der physische Leib zur Kommunikation mit den Artgenossen. Zwar können sie sich durch eine Vielzahl von Lauten und Zeichen miteinander verständigen, doch das genügt nicht bei temporeichen Tieraktivitäten, bei blitzartig drohenden Gefahren, die einem Wildrudel, einem Vogel- oder Fischschwarm drohen. Hier kommt nur eine andere Verständigung in Frage, für die es in der wissenschaftlichen Zoologie keine befriedigende Definition gibt. Ebenfalls schwer erklärlich ist auch die systematische Ordnung und Zielstrebigkeit, die in einem Termitenhügel und einem Bienenstock herrschen. Da Ameisen,Termiten, Bienen und Wespen kein vernunftgesteuertes Organisationstalent und keine akustischen Verständigungsmöglichkeiten besitzen, gehen professionelle Zoologen von einer "vierfachen Wurzel der Instinkte" (Entelechie, Erbgedächtnis, natursomnambule Wahrnehmungsweise und Gruppenseele) aus. Den Terminus "natursomnambule Wahrnehmungsweise" kann man getrost durch "Telepathie" ersetzen. Diese laut- und zeichenlose Gedankenübertragung scheint der wichtigste Faktor der Gruppenseele zu sein, ohne die es zu keinem Gestaltungsziel kommt und ohne die auch ein Erbgedächtnis nichts vermöchte. - Der englische Zoologe Rupert Sheldrake hat mit seinem Forscherteam eine überwältigende Anzahl kritisch hinterfragter Fälle über die telepathischen Fähigkeiten der Tiere dokumentiert. Sogar noch öfter als bei Wildtieren erlebte er bei domestizierten Tieren übersinnliche Fähigkeiten. Je mehr das Haus-, Zoo-, oder Zirkustier zu einem bestimmten Menschen eine Beziehung aufgenommen hat und je intensiver die Sympathie des Tierhalters zu seinem Schutzbefohlenen ist, desto enger ist auch die telepathische Bindung des Tieres zu ihm. Es gibt sehr viele Zeugnisse, dass Hunde und Katzen die Absichten, Gefühle, Stimmungen und körperlichen Verfassungen ihres Besitzers "lesen" können. Sie wissen häufig lange vor den Angehörigen, wann ihr Besitzer von einer Reise zurückkommt, sie finden über weite Strecken zu ihm zurück, wenn sie von ihm getrennt wurden, sie wittern es, wenn ihn eine tödliche Krankheit befällt. Beim Tier ist der Seelenleib noch ursprünglicher angelegt als beim Menschen, bei dem die Steuerung durch den Verstand und die Mitteilung durch die Sprache dominiert. Während alle höherentwickelten Tierrassen generell telepathische Fähigkeiten besitzen, ist sie beim heutigen Menschen auf eine relativ kleine Gruppe von Hochsensitiven beschränkt. Doch auch von diesen gibt es sehr viele zuverlässig dokumentierte Fallschilderungen über okkulte Erfahrungen auf den Gebieten der Telepathie, Telekinese, dem Aurasehen, der Präkognition und Prophetie. Der Unterschied liegt darin, dass beim Tier die Sinne des Seelenleibes schon zu Lebzeiten aktiviert sind, sie sich beim Menschen in vollem Umfang aber erst nach dem Überschreiten der Todesschwelle öffnen. - Die Tragik der Tierseele liegt in ihrer Sterblichkeit. Das Tier hat im Gegensatz zum Menschen keine Jenseitsperspektiven. Es hat nur sein kurzes irdisches Dasein, das häufig freudlos verläuft und grausam endet. Adam erhielt einst von Gott den Auftrag, jedem seiner tierischen Mitgeschöpfe einen Namen zu geben. Die Tiere sollten ihm Mitarbeiter und Partner sein, für deren Schutz er verantwortlich war. Wir Nachkommen Adams laden eine schwere Schuld auf uns, wenn wir uns dieser Pflicht entziehen.
Sonntag, 14. Oktober 2012
Mensch und Tier
Biblischer Schöpfungsbericht und Evolutionslehre stehen sich unversöhnlich gegenüber. Entweder hat Gott den Kosmos, Engel, Menschen und Tiere erschaffen oder belebte Organismen entwickelten sich zufällig aus Proteinklumpen. Aus Einzellern wurden Mehrzeller, aus Pflanzen Tiere und aus Tieren Menschen. Der Sprung vom Tier zum Menschen ist eine fantastische Vorstellung, sie kann uns mit Stolz erfüllen. Ein geistig beschränkter Vierbeiner richtete sich auf, bildete die Vorderfüße zu wichtigen Greifwerkzeugen aus, vergrößerte seinen Schädel und füllte ihn mit Gehirnmasse. Mehrere Antriebe leiteten ihn dabei, sich Fühlen, Sprechen und Denken anzueignen, der Kampf ums Überleben, die Auslese von Lebenstauglichen und Unerwünschten, der Ehrgeiz, seinen Wohlstand ständig zu verbessern und sich vor allem der Konkurrenten durch mehr Stärke und Wissen zu entledigen. Humanitäre Kriterien spielten mit Ausnahme eines geringen Altruismus gegenüber den nächsten Angehörigen keine große Rolle. Obwohl die Evolutionstheorie in einigen Punkten widerlegt wurde, ist sie immer noch in allen Sparten der Naturwissenschaften richtungweisend. Man kann sogar überspitzt sagen, ihre Philosophie prägt heute die Lebensverhältnisse der ganzen Welt. - Die christliche Theologie versucht seit etwa dreißig Jahren eine ernsthafte und kompromissbereite Annäherung an den Darwinismus, doch zu einem Schulterschluss braucht es noch eine gute Weile. Vermutlich wird es nie dazu kommen, die Voraussetzungen klaffen zu weit auseinander. Die Evolution benötigt keinen Schöpfergott, es verläuft zwar alles nach konsequenten Gesetzen, doch bedingen sie keinen erkennbaren transzendenten Verursacher. Man könnte sich von beiden Seiten einem wichtigen Punkt des Abstammungsproblems nur nähern, würde man danach fragen, ob es zwischen Tier und Mensch eine Ähnlichkeit gibt, die auf einer unbezweifelbaren Verwandtschaft basiert. Auf jeden Fall existiert ein sehr schwerwiegender Unterschied, das Tier ist der Sklave seiner Instinkte, der Mensch besitzt einen freien Willen. Es wird nie gelingen, Hund und Katze zu Pflanzenfressern und Kühe zu Fleischfressern umzufunktionieren, ebensowenig läßt sich der Hahn zur Monogamie und der Panther zum Kuscheltier erziehen. Die Tiere sind in die enge Begrenzheiten ihrer Art und Rassentriebe eingesperrt, der Mensch kann sich frei für Liebe oder Hass, Gesetzestreue oder Verbrechen, eine lebenslange Ehe oder für wechselnde Beziehungen, für Sexualität oder Enthaltsamkeit, für Fleischnahrung oder Vegetarismus entscheiden. Die Freiheit des Menschen geht sogar so weit, dass er sich in vielen Verhaltensmustern seinem angeblichen Vorfahren angleichen kann. Je mehr er dies allerdings in die Tat umsetzt, desto weiter entfernt er sich von seiner Menschenwürde. Ausgesprochen animalisches Verhalten bedeutet, im Gemeinschaftsleben die Hackordnung eines Hühnerhofs oder die Verfolgungstaktik eines Wolfsrudels zu befolgen, sich unerwünschten Nachwuchses zu entledigen, sich in aller Öffentlichkeit nackt zu präsentieren, rücksichtslos seine Rivalen durch Vertreibung oder Tötung zu beseitigen. - Bei der weitverbreiteten Vorliebe für tiergemäßes Benehmen ist die sonstige Missachtung, die der Mensch den Tieren entgegenbringt, abstoßend. Wenn man von seiner Affenliebe zu Schoßhündchen, von seiner kumpelhaften Sympathie für Reitpferde, Hunde und Katzen, von seiner pädagogisch bedingten Wertschätzung für Zoo- und Zirkustiere absieht, herrscht Gefühllosigkeit bis Grausamkeit, die in einer erschütternd hemmungslosen Bestialität gegenüber Schlacht- und Versuchstieren gipfelt.
Sonntag, 7. Oktober 2012
Die Fähigkeiten des Seelenleibes
Der Seelenleib ist der "innere Arzt", wie ihn sich Paracelsus vorgestellt hat. Ohne ihn ist Gesundheit nicht möglich. Nach Infekten mobilisiert er Abwehrkräfte, regt nach Blutverlusten eine vermehrte Bildung roter Blutkörperchen an, heilt gebrochene Knochen, sorgt für Erholung im Schlaf, Erwärmung in der Kälte, Beruhigung im Stress. Doch seine Aufgabe besteht nicht nur darin, die Organe des physischen Körpers zu beleben und zu regenerieren. Er besitzt latente geistige Sinne, die den fünf Sinnen des Körpers entsprechen, aber in der Lage sind, das Unsichtbare zu sehen, das Unhörbare zu hören, das Verborgene und Zukünftige zu wissen, das Weitentfernte zu tasten und zu bewegen. Er kann den physischen Leib zeitweilig verlassen. Im Schlaf, durch ein Band mit dem Körper verbunden, trennt er sich vom Leib und tankt in einem Traumland neue Kräfte für den irdischen Alltag. - Mohlberg hat in Erfahrung gebracht, dass sensible Menschen die Emanation des Seelenleibes schimmern sehen. Viele können sie fühlen, die Radiästheten messen sie. Sie umgibt und umwaltet als Vitalfluid mit außergewöhnlicher Beweglichkeit den irdischen Leib, kann sich ausdehnen und zusammenziehen, den Platz wechseln und die Form verändern. Trotzdem ist sie eng mit dem physischen Leib verbunden, jede Störung der Psyche wirkt sich in Soma aus und umgekehrt. Der Seelenleib ist jedoch nicht nur die belebende Kraft des Körpers, er ist als Träger der Gefühle und Leidenschaften der Diener des Geistleibes. Der Geistleib ist als Auferstehungsleib für ein ewiges Leben im Jenseits bestimmt. Als Keim ist er in jedem Menschen angelegt, doch muss ihn das irdische Leben zur Reife führen, soll er nicht nur eine Möglichkeit oder eine Verheißung bleiben. Die Seele als Bindeglied zwischen Körper und Geist überträgt dem Geist die Erfahrungen, Verdienste und Verschuldungen des physischen Leibes. Dieses Wissen schließt eine große Verantwortung ein. Es bedeutet, ethische Gebote nicht durch Überbetonung körperlicher Bedürfnisse zu vernachlässigen. - Die drei Wesensglieder des Menschen Soma, Psyche und Pneuma sind gleichwertig und bilden eine funktionelle Einheit. Allerdings werden sie vom öffentlichen Bewusstsein in ihrer Bedeutung unterschiedlich bewertet. Verständlicherweise dominiert das Sichtbare und Messbare des physischen Leibes. Mit ihm arbeitet die Anthropologie, Naturwissenschaft und Medizin. "Seele" ist zwar ein oft gebrauchter Begriff, doch meint er meist die Charaktereigenschaft "Gemüt". Wenn die Medizin von Seelenleiden spricht, versteht sie darunter gemütsspezifische Defekte des Nervensystems, die häufig mit organischen Erkrankungen im Zusammenhang stehen. Noch weniger kann der allgemeine Sprachgebrauch mit "Geist" anfangen. Er wird mit Verstand und Vernunft des menschlichen Gehirns in Zusammenhang gebracht, das lässt nicht auf ein eigenständiges Wesensglied schließen. - Trotzdem ist es ein Trugschluss, den physischen Leib mit der menschlichen Gesamtpersönlichkeit zu identifizieren. Wer sich nicht gewaltsam von dieser Schablone befreit, dem bleiben viele Rätsel ungelöst. Nur wenn der kritische Beobachter aller augenscheinlichen und okkulten Phänomene den Sprung von einer einseitigen Beschränktheit zu einer Dreigliederung wagt, erhält das menschliche Dasein in seiner Leben, Tod, Welt, Himmel und Hölle umspannenden Einheit seinen beglückenden Sinn.
Abonnieren
Posts (Atom)