Sonntag, 14. Oktober 2012
Mensch und Tier
Biblischer Schöpfungsbericht und Evolutionslehre stehen sich unversöhnlich gegenüber. Entweder hat Gott den Kosmos, Engel, Menschen und Tiere erschaffen oder belebte Organismen entwickelten sich zufällig aus Proteinklumpen. Aus Einzellern wurden Mehrzeller, aus Pflanzen Tiere und aus Tieren Menschen. Der Sprung vom Tier zum Menschen ist eine fantastische Vorstellung, sie kann uns mit Stolz erfüllen. Ein geistig beschränkter Vierbeiner richtete sich auf, bildete die Vorderfüße zu wichtigen Greifwerkzeugen aus, vergrößerte seinen Schädel und füllte ihn mit Gehirnmasse. Mehrere Antriebe leiteten ihn dabei, sich Fühlen, Sprechen und Denken anzueignen, der Kampf ums Überleben, die Auslese von Lebenstauglichen und Unerwünschten, der Ehrgeiz, seinen Wohlstand ständig zu verbessern und sich vor allem der Konkurrenten durch mehr Stärke und Wissen zu entledigen. Humanitäre Kriterien spielten mit Ausnahme eines geringen Altruismus gegenüber den nächsten Angehörigen keine große Rolle. Obwohl die Evolutionstheorie in einigen Punkten widerlegt wurde, ist sie immer noch in allen Sparten der Naturwissenschaften richtungweisend. Man kann sogar überspitzt sagen, ihre Philosophie prägt heute die Lebensverhältnisse der ganzen Welt. - Die christliche Theologie versucht seit etwa dreißig Jahren eine ernsthafte und kompromissbereite Annäherung an den Darwinismus, doch zu einem Schulterschluss braucht es noch eine gute Weile. Vermutlich wird es nie dazu kommen, die Voraussetzungen klaffen zu weit auseinander. Die Evolution benötigt keinen Schöpfergott, es verläuft zwar alles nach konsequenten Gesetzen, doch bedingen sie keinen erkennbaren transzendenten Verursacher. Man könnte sich von beiden Seiten einem wichtigen Punkt des Abstammungsproblems nur nähern, würde man danach fragen, ob es zwischen Tier und Mensch eine Ähnlichkeit gibt, die auf einer unbezweifelbaren Verwandtschaft basiert. Auf jeden Fall existiert ein sehr schwerwiegender Unterschied, das Tier ist der Sklave seiner Instinkte, der Mensch besitzt einen freien Willen. Es wird nie gelingen, Hund und Katze zu Pflanzenfressern und Kühe zu Fleischfressern umzufunktionieren, ebensowenig läßt sich der Hahn zur Monogamie und der Panther zum Kuscheltier erziehen. Die Tiere sind in die enge Begrenzheiten ihrer Art und Rassentriebe eingesperrt, der Mensch kann sich frei für Liebe oder Hass, Gesetzestreue oder Verbrechen, eine lebenslange Ehe oder für wechselnde Beziehungen, für Sexualität oder Enthaltsamkeit, für Fleischnahrung oder Vegetarismus entscheiden. Die Freiheit des Menschen geht sogar so weit, dass er sich in vielen Verhaltensmustern seinem angeblichen Vorfahren angleichen kann. Je mehr er dies allerdings in die Tat umsetzt, desto weiter entfernt er sich von seiner Menschenwürde. Ausgesprochen animalisches Verhalten bedeutet, im Gemeinschaftsleben die Hackordnung eines Hühnerhofs oder die Verfolgungstaktik eines Wolfsrudels zu befolgen, sich unerwünschten Nachwuchses zu entledigen, sich in aller Öffentlichkeit nackt zu präsentieren, rücksichtslos seine Rivalen durch Vertreibung oder Tötung zu beseitigen. - Bei der weitverbreiteten Vorliebe für tiergemäßes Benehmen ist die sonstige Missachtung, die der Mensch den Tieren entgegenbringt, abstoßend. Wenn man von seiner Affenliebe zu Schoßhündchen, von seiner kumpelhaften Sympathie für Reitpferde, Hunde und Katzen, von seiner pädagogisch bedingten Wertschätzung für Zoo- und Zirkustiere absieht, herrscht Gefühllosigkeit bis Grausamkeit, die in einer erschütternd hemmungslosen Bestialität gegenüber Schlacht- und Versuchstieren gipfelt.
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