Sonntag, 29. Juli 2012

Standortbestimmung

Will man das Interesse für die Erkenntnis des Jenseits beurteilen, kann man die Menschheit in drei Blöcke aufteilen: Der Materialist glaubt an das wissenschaftliche Weltbild, an Sichtbares, Messbares und Wägbares. Er betrachtet sich als Abkömmling der Tierwelt, der es zu einem aufrechtem Gang, zu hoher Intelligenz und Sprechfähigkeit gebracht hat, aber dennoch den triebhaften Instinkten und dem endgültigen Tod der Tierwelt ausgeliefert ist. Die zweite Gruppe besteht aus den konventionell Gläubigen. Sie legen zwar ein Lippenbekenntnis zu einem ewigen Leben ab, zerbrechen sich aber nicht den Kopf darüber, wie der künftige Aufenthaltsort ihrer Seelen in der Ewigkeit beschaffen sein könnte. Die dritte Gruppe setzt sich aus den uneingeschränkt Gottgläubigen zusammen, die sich aber im Gegensatz zur zweiten Gruppe für Einzelheiten interessieren und konkrete Fragen stellen : Welche Eigenschaften hat Gott, wie sieht die menschliche Seele, wie das jenseitige Land aus? - Materialisten, Atheisten und Agnostiker nötigen Respekt vor ihrer meist naturwissenschaftlich und philosophisch begründeten Überzeugung ab, ebenso der erkenntnisdurstige, praktizierende Gläubige. Völlig unverständlich aber ist bei denkfähigen, religiös erzogenen Menschen eine Halbbildung, ein Halbwissen bis zur völligen Ignoranz in esoterisch - transzendenten Fragen. Zu ihrer Entschuldigung ist allerdings anzuführen, dass die traditionellen christlichen Kirchen auf diesem Gebiet sehr zugeknöpft sind. Wird die Hochschultheologie beider großen christlichen Konfessionen ausdrücklich auf diese Probleme "die Beschaffenheit der Seele und das Leben nach dem Tod" angesprochen, reagiert sie ausgesprochen gereizt und flüchtet sich in blutleere Abstraktionen. Katholische und protestantische Theologieprofessoren drehen und winden sich verlegen um jede plausible Aussage herum, verrennen sich in mehrdeutige Bibelzitate, türmen Hypothese auf Hypothese, von denen eine wackeliger und nichtssagender klingt als die andere. Die lächerlichste Begründung ist, dass die christliche Religion stolz darauf ist, keine Geographie des Jenseits nötig zu haben. Andere Religionen denken da anders. Wenn sie schon für die Mühen und Ausschweifungen des Erdenlebens eine jenseitige Belohnung oder Bestrafung in Aussicht stellen, sollen ihre Gläubigen auch nach bestem Wissen darüber informiert werden, wie diese Lohn- oder Straforte beschaffen sind. Wer sich daher mit einer Horizontbegrenzung durch den eigenen Tellerrand nicht zufrieden gibt, muss sich auf Spurensuche begeben. Er wird entdecken, dass eine riesige Fülle von glaubwürdigen Zeugnissen einer jenseitigen Welt existiert.