Sonntag, 7. Oktober 2012
Die Fähigkeiten des Seelenleibes
Der Seelenleib ist der "innere Arzt", wie ihn sich Paracelsus vorgestellt hat. Ohne ihn ist Gesundheit nicht möglich. Nach Infekten mobilisiert er Abwehrkräfte, regt nach Blutverlusten eine vermehrte Bildung roter Blutkörperchen an, heilt gebrochene Knochen, sorgt für Erholung im Schlaf, Erwärmung in der Kälte, Beruhigung im Stress. Doch seine Aufgabe besteht nicht nur darin, die Organe des physischen Körpers zu beleben und zu regenerieren. Er besitzt latente geistige Sinne, die den fünf Sinnen des Körpers entsprechen, aber in der Lage sind, das Unsichtbare zu sehen, das Unhörbare zu hören, das Verborgene und Zukünftige zu wissen, das Weitentfernte zu tasten und zu bewegen. Er kann den physischen Leib zeitweilig verlassen. Im Schlaf, durch ein Band mit dem Körper verbunden, trennt er sich vom Leib und tankt in einem Traumland neue Kräfte für den irdischen Alltag. - Mohlberg hat in Erfahrung gebracht, dass sensible Menschen die Emanation des Seelenleibes schimmern sehen. Viele können sie fühlen, die Radiästheten messen sie. Sie umgibt und umwaltet als Vitalfluid mit außergewöhnlicher Beweglichkeit den irdischen Leib, kann sich ausdehnen und zusammenziehen, den Platz wechseln und die Form verändern. Trotzdem ist sie eng mit dem physischen Leib verbunden, jede Störung der Psyche wirkt sich in Soma aus und umgekehrt. Der Seelenleib ist jedoch nicht nur die belebende Kraft des Körpers, er ist als Träger der Gefühle und Leidenschaften der Diener des Geistleibes. Der Geistleib ist als Auferstehungsleib für ein ewiges Leben im Jenseits bestimmt. Als Keim ist er in jedem Menschen angelegt, doch muss ihn das irdische Leben zur Reife führen, soll er nicht nur eine Möglichkeit oder eine Verheißung bleiben. Die Seele als Bindeglied zwischen Körper und Geist überträgt dem Geist die Erfahrungen, Verdienste und Verschuldungen des physischen Leibes. Dieses Wissen schließt eine große Verantwortung ein. Es bedeutet, ethische Gebote nicht durch Überbetonung körperlicher Bedürfnisse zu vernachlässigen. - Die drei Wesensglieder des Menschen Soma, Psyche und Pneuma sind gleichwertig und bilden eine funktionelle Einheit. Allerdings werden sie vom öffentlichen Bewusstsein in ihrer Bedeutung unterschiedlich bewertet. Verständlicherweise dominiert das Sichtbare und Messbare des physischen Leibes. Mit ihm arbeitet die Anthropologie, Naturwissenschaft und Medizin. "Seele" ist zwar ein oft gebrauchter Begriff, doch meint er meist die Charaktereigenschaft "Gemüt". Wenn die Medizin von Seelenleiden spricht, versteht sie darunter gemütsspezifische Defekte des Nervensystems, die häufig mit organischen Erkrankungen im Zusammenhang stehen. Noch weniger kann der allgemeine Sprachgebrauch mit "Geist" anfangen. Er wird mit Verstand und Vernunft des menschlichen Gehirns in Zusammenhang gebracht, das lässt nicht auf ein eigenständiges Wesensglied schließen. - Trotzdem ist es ein Trugschluss, den physischen Leib mit der menschlichen Gesamtpersönlichkeit zu identifizieren. Wer sich nicht gewaltsam von dieser Schablone befreit, dem bleiben viele Rätsel ungelöst. Nur wenn der kritische Beobachter aller augenscheinlichen und okkulten Phänomene den Sprung von einer einseitigen Beschränktheit zu einer Dreigliederung wagt, erhält das menschliche Dasein in seiner Leben, Tod, Welt, Himmel und Hölle umspannenden Einheit seinen beglückenden Sinn.
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen