Bei aller gebotenen Vorsicht ist der Spiritismus eine wichtige Quelle der Jenseitskunde. Skepsis ist dennoch nötig, denn wie bei allen Sparten des Okkultismus gibt es auch bei ihm viele schwarze Schafe und Scharlatane. Seine Phänomene setzen Medien voraus, Frauen und Männer mit paranormalen Fähigkeiten. Ein Medium kann sich in Trance versetzen und öffnet sich in diesem entrückten Bewusstseinszustand den Seelen Verstorbener, die dann aus ihm sprechen. Als der europäische Spiritismus ab Mitte des neunzehnten bis zum ersten Drittel des zwanzigsten Jahrhunderts seine Hochblüte erlebte, gab es eine große Anzahl berühmter Medien, die sich für teilweise beträchtliche Honorare spiritistischen Zirkeln zu wissenschaftlichen Versuchen zur Verfügung stellten. Pausenlose und kräftezehrende Experimente führten häufig zu einer Erschöpfung der medialen Fähigkeiten. Um aber weiterhin für ihre Auftraggeber interessant zu bleiben, flüchteten sich auch hochbegabte Medien in Mogeleien, die dann unvermeidlich aufflogen.- Worin sich alle Schulen des Spiritismus einig sind, ist die Ablehnung der konventionellen christlichen Kirchen. Ein Grund liegt sicher darin, dass sie von Anfang an von den Kirchen heftig bekämpft wurden. Hauptsächlich aber geht es darum, dass sich die spiritistischen Strömungen entsprechend den Kundgaben der Geister selbst Parallelkirchen mit eigenwilligen Schöpfungsgeschichten und einer sehr freien Auslegung der Botschaft Christi geschaffen haben. - Für den Spiritismus besteht ein fließender Übergang vom Diesseits zum Jenseits. Die Seelen Verstorbener können noch lange Zeit in der Erdsphäre verweilen. Auch dann, wenn sie sich in höhere Sphären emporgehoben haben, ist es ihnen möglich, wieder zeitweise in die diesseitige Welt zurückzukehren. Der Spiritismus ist sogar davon überzeugt, dass vom Jenseits aus ein dringendes Bedürfnis besteht, sich durch Medien den Lebenden mitzuteilen, sie über jenseitige Zustände zu informieren und trauernde Hinterbliebene zu trösten. Die Gründe der Diesseitigen, die Seelen Verstorbener zu beschwören und zu befragen, haben vielfältige Ursachen : Neugierde, wissenschaftliches Interesse an der Identifikation der Geistwesen, an ihren physikalischen Kräften und telekinetischen Fähigkeiten, die Möglichkeit der Materialisation nahestehender Verstorbener und das Verlangen nach Beratung in allen möglichen irdischen Angelegenheiten. Die Antworten auf diese Fragen erfolgen durch den Mund des Mediums oder durch "automatische Schrift" = ein Geist bedient sich der Hand des Mediums und schreibt ohne dessen bewusste Mithilfe über angefragte Sachgebiete, gegebenenfalls auch in einer Fremdsprache, die dem Medium unbekannt ist. Der Spiritismus geht von der Annahme aus, dass die Seele nach der Trennung vom Leib Kräfte und Wissen erlangt, die sie u.a. zu prophetischen Voraussagen, zur Heilung Kranker und zu spirituellen Offenbarungen einsetzen kann. In diesem oft blinden Vertrauen auf eine sich anbiedernde jenseitige Führung und Hilfsbereitschaft liegen Gefahr und Fragwürdigkeit des Spiritismus.
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