Montag, 14. Januar 2013

Allan Kardec

Obwohl der Spiritismus heute in Großbritannien, den USA und in Brasilien am verbreitetsten ist, liegen seine wissenschaftlichen und philosophischen Wurzeln in Frankreich und Deutschland. Der wichtigste Mann auf diesem Gebiet ist der Franzose Allan Kardec. Er hat ein spiritistisches Weltbild erstellt, das keine Nuance vernachlässigt. Der Deutsche Carl du Prel war Vertreter einer okkult-physikalischen Forschung. Die gründlichste Dokumentation spiritistischer Phänomene und die scharfsinnigste Auseinandersetzung mit dem "Animismus" lieferte der Deutsch-Balte Emil Mattiesen in seinem Werk "Das persönliche Überleben des Todes". - Allan Kardec (1804-1869) führte zwei Leben. Bis zu seinem fünfzigsten Lebensjahr war er Professor H.L.D. Rivail, ein Meisterschüler und Mitarbeiter des berühmten Pestalozzi, universell gebildet, ein erfolgreicher Pädagoge, der gemeinsam mit seiner Frau mehrere Lehrinstitute führte und didaktische Fachbücher verfasste. Er ließ sich dabei von den Grundsätzen Pestalozzis leiten, intellektuelle und moralische Bildung allen Volksschichten zu vermitteln, immer der eigenen Beobachtungsfähigkeit zu vertrauen und nicht vorgefertigte Lehrmeinungen kritiklos nachzuplappern. Rivail beherrschte mehrere Fremdsprachen und übersetzte englische und deutsche Fachliteratur ins Französische. In den letzten fünfzehn Jahren seines Lebens mutierte er zu Allan Kardec. Eine flüchtige Erfahrung mit Tischrück-Phänomenen hatte sein Interesse für den damals noch jungen europäischen Spiritismus geweckt. Er schloss sich in Paris einem spiritistischen Zirkel an, sichtete dessen umfangreiche nordamerikanische Sammlung von Protokollen und begann mit einem Medium selber einschlägige Experimente. Seinen neuen Namen verdankte er einer medialen Botschaft, wonach er die Reinkarnation eines Druiden namens Allan Kardec sei. Für Rivail veränderte sich mit dem Jenseitskontakt sein ganzes Leben, es eröffnete sich ihm ein gewaltiger Kosmos, die Welt des Geistes und der Geister. Alles, was berühmte Wissenschaftler, Philosophen, Religionsstifter, Könige, Revolutionäre, Dichter und das große Heer der namenlosen Weltbeweger je gedacht hatten, stand ihm durch den Kontakt mit "höheren Geistern" auf Abruf zur Verfügung. Er musste nur aus der unerschöpflichen Fülle von Botschaften Markantes herausfiltern und mit Hilfe der Medien Auskünfte über alle nur möglichen Lebensfragen von der Genesis über die Bedeutung Christi, das Funktionieren der Wiederverkörperung bis zum Leben auf anderen Planeten einholen. Die Frucht seiner Bemühungen legte er in fünf Werken nieder, von denen das "Buch der Geister" als spiritistische Bibel gilt. Der "Kardecianismus" ist die konsequenteste Umsetzung jenseitiger Offenbarungen in eine Weltanschauung. Kardec starb mit fünfundsechzig Jahren. Der Ausbau seiner Lehre zu einer Lebensphilosophie und Religionsgemeinschaft erfolgte erst durch seine Anhänger.  

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