Freiherr Carl du Prel (1839 - 1899) widmete sich nach einer Karriere bei der bayrischen Armee als freier Schriftsteller breitgefächerten naturwissenschaftlichen, astronomischen und psychologischen Themen. Die Ehe mit einer vermögenden Witwe und seine Offizierspension sicherten ihm finanzielle Unabhängigkeit. Sein geistiger Ziehvater war Eduard von Hartmann, dessen "Philosophie des Unbewussten" seine eigene Weltanschauung prägte. Durch Hartmann wurde er mit zwei namhaften Spiritisten bekannt, dem Astronomen Zöllner und dem Philosophen Hellenbach. Carl du Prels Heimatstadt München war damals eine Hochburg des Spiritismus. Das verwundert bei einer derart katholisch geprägten Stadt, in der es allerdings starke antiklerikale Strömungen mit einem aufklärerischen Freidenkertum gab. Das waren auch die Voraussetzungen der Münchner spiritistischen Gesellschaft unter dem Deckmantel "psychologische Forschung". Dieser elitäre Kreis setzte sich aus Ärzten, Biologen und Physikern zusammen, auch namhafte Maler, Schriftsteller und Dichter waren gerngesehene Zaungäste der Seancen. Man leistete sich hervorragende, international berühmte Medien, die man mit deutscher Gründlichkeit außergewöhnlich strengen Kontrollen unterwarf. Prel glaubte als einer der Wenigen an ein Weiterleben im Jenseits und an einen persönlichen Gott. Er galt als Außenseiter, der auch die Bezeichnung "Spiritismus" ablehnte und sie durch die verwaschenen Begriffe "Okkultismus", "Magie" oder "Transzendenz" ersetzte. Prel kam von den Naturwissenschaften her, verstand aber seine Studien als antimechanistische Beiträge. Sein anthropologischer Ansatz war die Hypothese einer doppelten humanen Existenz, wonach der Mensch außer seinem irdischen Leib noch einen zweiten inneren Körper besitzt, den "Astralleib". Dieser entspricht in seiner Form völlig dem physischen Körper, ist jedoch von feinstofflicher Beschaffenheit. Durch diesen Astralleib (Seele) ist jeder Mensch Bürger zweier Welten, der sinnfällig diesseitigen und einer jenseitigen Welt, die außerhalb normaler menschlicher Wahrnehmungsfähigkeit liegt. Im Diesseits ist der Mensch ganz irdischer Mensch, zugleich aber auch schon zu Lebzeiten ein jenseitiges Subjekt. Die spiritistischen Phänomene bewiesen ihm, dass die Seele außerhalb des physischen Leibes existieren kann, dass sie ein Eigenleben besitzt und über spezielle Sinne verfügt. Prels wissenschaftliches Ziel war, das Geheimnis Mensch zu enträtseln, die Naturwissenschaft aus den Irrlehren des Materialismus zu befreien und lückenlos alle okkulten Eigenschaften der Seele, Telepathie, Telekinese, Levitation, Bilokation und Materialisation nachzuweisen. Dass er eine Präexistenz der Seele schon vor der Geburt annahm, war ein Relikt seiner theosophischen Vergangenheit. Mit seiner grundlegenden Ansicht, dass der Tod weniger eine Entseelung des Körpers, sondern eine Entleiblichung der Seele darstellt, lag er sicher richtig, denn er räumt der Seele einen Vorrang gegenüber dem physischen Leib ein. Seiner Ansicht nach ist der Leib nur der Diener der Seele, er ist vergänglich, die Seele aber ist unsterblich.
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