Donnerstag, 7. März 2013

Sylvan Muldoon

Bei Muldoon findet man eine andere Zielsetzung wie bei Monroe. Der Hauptunterschied zwischen beiden Forschern besteht darin, dass Muldoon das plötzliche Auseinanderreißen von Leib und Seele in sehr jungen Jahren, Monroe erst im reifen Alter erlebte. Beide werteten dieses Schlüsselerlebnis unterschiedlich. Bei Monroe lag der religiös-weltanschauliche Aspekt im Vordergrund, den jugendlichen Muldoon faszinierte die Mechanik des Seelenaustritts und die Möglichkeit, unter einer Tarnkappe die irdische Welt zu erkunden. Erst in den nächsten Jahrzehnten wandte er sein Augenmerk jenseitigen Überlegungen zu : Spaltet sich im Schlaf die Seele immer und völlig vom Körper ab? Was bedeutet Träumen? Wieweit ist der normale Traum bereits das Erleben einer Astralwelt? Monroe, der Theosoph, differenzierte exakt die unterschiedlichen Jenseitsebenen. Muldoon, der dem Spiritismus nahestand, beschränkte sich in seinen Erkundungen auf die "Astralwelt", die unterste Region des weitgestaffelten überirdischen Raumes, und ging davon aus, dass jeder Mensch sie in seinen Träumen erlebt. Träume spielen sich in einer irrealen Umwelt ab. Orte und Gegenden, die dem Träumer bekannt erscheinen, weisen starke Verfremdungen auf. Auch die Personen, die ihm begegnen, sind ihm entweder unbekannt oder ähneln Freunden mit absurden Verzerrungen. Wer außerhalb seines physischen Leibes bewusst eine bizarre Jenseitswelt erkunden will, muss die Kunst beherrschen, das normale Tagesbewusstsein an der Grenze zwischen Wachen und Schlafen in seinen Seelenleib (Astralleib) zu leiten und sich aus seinem physischen Leib herauszubewegen. Dazu bedarf es nach Muldoon neben angeborener Begabung und eines harten Trainings auch großen Mutes, für möglicherweise unheimliche Erfahrungen den sicheren Hafen der Körperlichkeit zu verlassen. - Muldoon gelang ein Experiment, das nur wenigen Astralwanderern glückt, das Sichtbarwerden des Astralleibes, die Bilokation. Er erschien einigen informierten Bekannten zu einer vereinbarten Nachtstunde in deren Wohnräumen, wobei er meist den Weg durch die Wand nahm. Muldoon betonte immer wieder, dass er die Durchführung sämtlicher Astralreisen nur seiner Willenskraft verdankte. Er erteilte seinem Unterbewusstsein präzise Befehle, erreichte aber bei sehr schwierigen Experimenten oft erst nach einer Reihe missglückter Versuche die angepeilten Ziele. - Muldoon wagt einen kühnen Vergleich, der bei seiner sonstigen spirituellen Nonchalance überrascht. Er setzt die Astralwelt mit dem Fegefeuer des Katholizismus gleich. Sie ist nach seiner Erfahrung der Aufenthaltsort der Verstorbenen, die zu Lebzeiten völlig in der materiellen Welt aufgegangen sind und sich nie mit der Möglichkeit eines Weiterlebens auseinandersetzten. Mit allen Fasern ihres Seins hängen sie noch an der Welt, ihrer einstigen Familie, Wohnung, dem Arbeitsplatz und ihren Leidenschaften. Sie sind sich ihrer Entleiblichung nicht bewusst und leiden darunter, von ihren Angehörigen nicht mehr wahrgenommen zu werden, auf alle Tätigkeiten und Genüsse der Welt verzichten zu müssen, unerwünscht und überflüssig zu sein.

 
 
 
 

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