Animismus ist ursprünglich ein volkskundlicher Begriff. Er bezeichnet eine vorreligiöse Weltanschauung, nach der alle irdischen Dinge, Steine, Pflanzen, Bäume, Tiere und Menschen mit einer Seele begabt sind. Der Mensch nimmt dabei eine herausragende Stellung ein. Seine Seele kann unabhängig vom Körper existieren und trennt sich während des Lebens zeitweise und im Tod endgültig vom Leib. Dieser Animismus kennt noch keinen Gottesbegriff und es bleibt offen, wer Körper und Seele erschaffen hat, ob sich der Mensch vor einer transzendenten Instanz verantworten muss und was die Seele im Jenseits erwartet. - In der materialistischen Ära erfährt der Begriff Animismus einen Bedeutungswandel. Hier denkt man eindimensional und gesteht dem Menschen nur einen physischen Leib zu. Die Seele lässt sich zwar nicht leugnen, doch wird sie als Funktion des physischen Leibes erklärt. Ebenso wenig lassen sich übernormale Fähigkeiten der Seele ignorieren, die mit der Psychologie allein nicht zu begründen sind : Telepathie (Gedankenübertragung), Telekinese (Bewegen von Gegenständen ohne Berührung), Radiästhesie (Strahlenfühligkeit), Präkognition (Kenntnis künftiger Ereignisse), Medialität (Kontakt mit Geistern Verstorbener). Es sind keine allgemein menschlichen Talente, doch gibt es viele Personen. die damit begabt sind. Diese"Talente" sind verschieden stark ausgeprägt, systematisches Üben verstärkt sie, ihre Intensität hängt von gesundheitlichen Faktoren und der Tageskondition ab. Die Parapsychologie, ein Seitenzweig der Psychologie, erforscht unter animistischen und garantiert transzendenzfreien Gesichtspunkten diese abnormen Phänomene. Eine Reihe amerikanischer und englischer Universitäten sowie auch die deutsche Universität Freiburg unterhielten Jahrzehnte lang Lehrstühle für Parapsychologie. Diese gelangten in Großversuchen zu beachtlichen Ergebnissen, vor allem in der Spukforschung und Telepathiedokumentation, konnten sich aber im akademischen Lehrbetrieb wie auch bei Laienforschern keine bleibende Anerkennung verschaffen. - Die spiritistische These, nach der die Geister Verstorbener und die frei agierenden Seelenleiber Lebender okkulte Phänomene bewirken, ist leichter verständlich. Allerdings bleibt Spiritismus im Bereich des Glaubens, während die Wissenschaft Phänomene nur dann akzeptiert, wenn sie jederzeit wiederholbar und physikalisch messbar sind. Das ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht möglich. Bis es so weit ist, sind zur parapsychologischen Begründung oft sehr gewagte Konstruktionen nötig. So ist bei Spukfällen ein großes Arsenal von Hypothesen aus Quantenphysik und Tiefenpsychologie nötig, um dann zu Ergebnissen zu gelangen, die mit einem akademisch ungeschulten Verstand schwer nachvollziehbar sind. Streng genommen versucht hier die Wissenschaft Erkenntnisse zu produzieren, die man von ihr gar nicht erwartet. Zu einer Stellungnahme wäre hier ausschließlich die Theologie gefragt, denn es geht um deren ureigenes Gebiet, um die menschliche Seele, ihre verborgenen Eigenschaften, ihre Erschaffung, ihr Zusammenwirken mit dem physischen Leib im irdischen Leben und ihr Weiterleben nach dem Tod.
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